Mit myLoop auf 6.000 Meter – Expeditionserfolg am Alpamayo und Tocllaraju in Peru
Aron Esser, Verwender des myLoop, berichtet von seiner Reise
Selbst organisiert, ohne Führer, ohne Träger – und mit Typ-1-Diabetes. Im Sommer 2025 habe ich mir gemeinsam mit meiner Kletterpartnerin Anja einen lang gehegten Traum erfüllt: eine selbstorganisierte Expedition in die Cordillera Blanca in Peru. Unser Ziel: der formschöne Alpamayo (5.947 m) und der technisch etwas leichtere, aber höhere Tocllaraju (6.034 m).
Reiseablauf und Etappen
Nach einigen Tagen Akklimatisationstouren rund um die Stadt Huaraz und mit Verspätung, da Anja noch eine heftige Grippe erwischt hatte, starteten wir mit dem 25km langen Zustieg ins Basecamp des Alpamayo (4.300 m). Zum Glück konnten wir für diese erste Etappe Esel organisieren, die den Großteil unseres schweren Materials trugen – so waren die 25 km und 1.200 Höhenmetern eine lange, aber angenehme Wanderung. Ab dem Basecamp änderte sich die Situation jedoch: von hier an waren wir völlig auf uns gestellt, ohne Esel, und mussten unsere gesamte Ausrüstung selbst schultern. Der Aufstieg ins erste Hochlager auf 4.900 m war entsprechend kräftezehrend, die Rucksäcke wogen bis zu 30 kg und machten jeden Schritt zur Herausforderung. Noch anspruchsvoller wurde es beim weiteren Weg ins zweite Hochlager auf 5.400 m, wo wir über den Gletscher, durch steile Eisrinnen und vorbei an haushohen Séracs (Türme aus Gletschereis) auf das Plateau unterhalb des Berges gelangten. Dort erfuhren wir von anderen Seilschaften, dass die geplante Normalroute aufgrund eines instabilen Séracs unmittelbar unterhalb des Gipfels als zu gefährlich galt. Ein Abbruch stand im Raum, doch wir entschieden uns, nicht unverrichteter Dinge umzukehren. Stattdessen wählten wir die direktere, deutlich steilere und technisch anspruchsvollere Variante – eine Route, die kaum begangen wird und die wir ursprünglich gar nicht in Betracht gezogen haben. In einer klaren Vollmondnacht starteten wir schließlich um kurz vor zwei Uhr morgens unseren Gipfelversuch. Über viele Seillängen hinweg kämpften wir uns durch bis zu 70° steiles Eis, gesichert mit Eisschrauben, und erreichten nach neun Stunden Kletterzeit tatsächlich den Gipfel des Alpamayo. Der Abstieg erfolgte über sieben Abseillängen (eine Abseillänge entspricht der Länge eines Seils bzw. der maximalen Abseilstrecke, die mit dem verwendeten Seil möglich ist) zurück zum Wandfuß, bevor wir erschöpft, aber glücklich ins Hochlager und noch am selben Tag weiter bis ins Basecamp abstiegen. Wir brauchten erst noch einen Pausentag, um die Strapazen zu verarbeiten. Alles schmerzte, Anja war leicht schneeblind und wir waren einfach nur platt. Am Tag darauf wieder in die Zivilisation zu gehen war dann aber umso toller. Warme Duschen, ein weiches Bett, leckeres Essen und davon sehr viel - einfach fantastisch.
Nach der Rückkehr vom Alpamayo gönnten wir uns nur wenige Tage zur Regeneration, bevor wir noch ein weiteres großes Ziel angingen: den Tocllaraju. Der Zustieg ins Basecamp auf 4.300 m war landschaftlich wunderschön und diesmal komfortabler, da wir erneut Esel für den Materialtransport nutzen konnten und in einer bewirtschafteten Hütte übernachteten. Von dort stiegen wir ins High Camp auf 5.100 m auf, wo wir unser Zelt direkt am Gletscher errichteten. In der klaren Nacht starteten wir wieder gegen zwei Uhr zum Gipfel. Der Weg führte zunächst über weite Gletscherflächen, vorbei an bedrohlich offenen Spalten, dann über kurze Kletterpassagen am Westgrat. Die größte Herausforderung war der Bergschrund (Spalte zwischen fließendem Eis eines Gletschers und dem nicht fließenden Eis, das am Felsen festgefroren ist) unterhalb der Gipfelwand, den wir mit einem kräftigen Zug überwinden mussten. Danach führte ein angenehmer Anstieg hinauf zur breiten Schneekuppe auf 6.034 m – mein erster 6.000er! Da kaum Wind wehte und die Aussicht atemberaubend war, konnten wir den Gipfelmoment diesmal länger genießen, bevor wir über mehrere Abseilstellen und die Aufstiegsspur sicher ins Camp zurückkehrten.
Vorbereitung und Training
Um für diese Herausforderung bereit zu sein, habe ich über Monate hinweg intensiv trainiert:
Lange Ausdauereinheiten beim Laufen und Radfahren
Mehrmals wöchentlich Klettern und Bouldern
Regelmäßige Bergtouren in den Alpen, oft mehrtägig
Eisklettern an gefrorenen Wasserfällen und in Nordwänden
Medizinisch ließ ich mich sowohl von meiner Hausärztin als auch von meinem Diabetologen beraten. Während meine Hausärztin mich in der allgemeinen medizinischen Vorbereitung super unterstützte, riet mir mein Diabetologe zwar eher von der Expedition ab, half mir aber trotzdem, meine diabetes-spezifische Ausrüstung optimal zusammenzustellen.
Diabetes im Hochgebirge
Mit Typ-1-Diabetes unterwegs zu sein, bedeutet immer zusätzliche Planung. Das beginnt schon bei der Packliste. Hierfür habe ich bewusst auf technologieabhängige Redundanzen gesetzt, um mich immer auf ein passendes Backup verlassen zu können – denn Hilfe im Notfall gibt es kaum. Kein Handy-Empfang, keine Bergwacht – einzig ein Satelliten-Kommunikationsgerät und mit etwas Glück eine Rettung per Helikopter durch das Militär nach zwei oder mehr Tagen.
Primär nutze ich den myLoop mit FreeStyle Libre 3 Sensor am Oberarm, der mit meinem Google Pixel Smartphone und der CamAPS FX App die YpsoPump steuert. Dazu kommt:
myInset Infusionssets: Für die gesamte Reise habe ich die tatsächlich benötigte Menge mal drei eingepackt. Normalerweise wechsle ich alle drei Tage, hier hatte ich für jeden Tag einen Katheter dabei, um im Notfall sofort reagieren zu können. Ich habe mich für die myInset Infusionssets entschieden, weil sie mit der praktischen integrierten Setzhilfe kommen.
Free Style Libre 3 Sensoren: Auch mit Faktor 3 eingepackt aber immer mindestens ein Ersatz dabei.
Manuelles Blutzuckermessgerät: Als Backup, falls die Sensoren nicht funktionieren sollten.
Insulinpens: Ebenfalls als Alternative, falls die Pumpe ausfallen sollte. Auf eine Urlaubspumpe habe ich aus Gewichtsgründen verzichtet.
Insulin: Bei bis zu -20°C immer körpernah getragen – in der Jackentasche oder im Schlafsack – und zusätzlich zwischen meiner Partnerin und mir aufgeteilt, damit mindestens eine Hälfte sicher bleibt.
Hypobehandlung: Energiegels und Riegel ergänzt durch lokale Snacks und zusätzlich auch ein Glucagon Notfallkit.
Strom: Die wenigen elektrischen Geräte, die wir dabeihatten (Handy, Kamera, Uhr, Satellitengerät) konnten wir mit Powerbanks und Solarzellen aufladen. Besonders wichtig war mein Handy, damit der myLoop laufen konnte. Stromsparen war angesagt.
Diese Strategie bedeutete zwar mehr Gewicht, aber sie gab mir die nötige Sicherheit, um mich auf das Wesentliche konzentrieren zu können: das Bergsteigen.
Unter den extremen Bedingungen – ungewohntes Essen, Schlafmangel, körperliche Dauerbelastung, Medikamente gegen Höhenkrankheit, Stress – ist es unmöglich, dauerhaft perfekte Werte zu halten. Die Höhe beim Bergsteigen sorgt außerdem dafür, dass die Glukosewerte grundsätzlich eher höher liegen, als gewohnt und gleichzeitig bei Bewegung noch schneller sinkt als normal. Das war für mich eine zusätzliche Herausforderung. Aber der myLoop hat übernommen, wenn ich es nicht konnte. Während stundenlanger Kletterpassagen musste ich mich kein einziges Mal aktiv um meinen Diabetes kümmern. Ich habe viel den "Ease-off" Modus des myLoop verwendet, sodass ich eher hohe Ausgangswerte für die bevorstehende Belastung hatte und um Unterzuckerungen unbedingt zu vermeiden. Der myLoop hielt meinen Kopf frei für das Wesentliche: sichere Entscheidungen am Berg. Das hat mir die Gipfelerfolge erleichtert – wenn nicht sogar erst ermöglicht.
Besonders eindrücklich war der Gipfeltag am Alpamayo. Wir starteten mitten in der Nacht und waren über viele Stunden voll auf die Kletterei konzentriert. In dieser Zeit konnte ich mich nicht aktiv um meinen Diabetes kümmern – und genau hier hat der myLoop seine Stärke gezeigt. Während wir uns durch bis zu 70° steiles Eis kämpften, über neun Stunden hinweg, hat der Loop meine Werte so gut es geht stabilisiert und mir den Kopf freigehalten. Ich habe bewusst die Strategie gewählt, während der Belastung zu essen, aber überhaupt keinen Bolus abzugeben (das ist keine Empfehlung und entspricht nicht dem Sinn des Loops, aber das konnte ich für mich in ähnlichen Situationen als beste Herangehensweise für mich herausfinden). Anfangs waren die Glukosewerte dadurch etwas zu hoch, doch der myLoop hat das bald abgefangen und die Werte im Rahmen gehalten. Am Ende des Tages hatte ich durch die Anstrengung wie zu erwarten einen deutlich geringeren Insulinverbrauch als üblich – nur 36 Einheiten statt der sonst üblichen ~60.
Kleine Randnotiz – aber in meiner Vorbereitung sehr wichtig für mich: Die YpsoPump darf offiziell bis zu einem Luftdruck von 500 hPa (ca. 5.400 m) betrieben werden und ist damit eine der höhentauglichsten Insulinpumpen auf dem Markt. Im Rahmen meiner Expedition funktionierte sie dennoch auch darüber hinaus zuverlässig. Damit konnte ich selbst auf über 6.000 m meinen Diabetes managen.
Fazit
Mein Diabetes hat mich auf dieser Expedition nicht gebremst. Mit der richtigen Vorbereitung, einer durchdachten Strategie und der Unterstützung durch den myLoop konnte ich mich ganz auf das Bergsteigen konzentrieren. Natürlich gab es Unterzuckerungen und auch hohe Werte – aber entscheidend ist: Es geht trotzdem.
Diese Reise hat mir gezeigt, dass mit moderner Technologie, guter Planung und einer Portion Mut selbst die größten Träume erreichbar sind. Und sie hat mich angefixt: Der nächste große Berg ruft schon – vielleicht Pik Lenin (Tadschikistan), Denali (Alaska) oder Ama Dablam (Nepal).